Krisen, Kursstürze? - ab ins Bett!

Wenn die Medien eine Unheilsbotschaft nach der anderen verkünden und die Börsenkurse wackeln, ist es Zeit, Geld in die Hand zu nehmen und nachzukaufen oder wenn man keines hat, wenigstens NICHTS zu tun.

Alternativ kann man auch für notleidende Menschen tätig werden, aber auf keinen Fall für die Börse.
Nimm eine Schlaftablette und lass dich am besten erst wieder wecken, wenn alles vorbei ist.

Krieg, Terror, Menschen auf der Flucht. Es passieren täglich schlimme Dinge auf der Welt. In ihrer Tragik und Schwere sind diese Dinge oft unterschiedlich in manchen Fällen allerdings, haben sie eine große Auswirkung auf die Börsen. Das lässt in solchen Momenten einen Zweifel an der Weltwirtschaft erkennen. So z.B. bei den folgenden Krisen jüngster Vergangenheit:

In der Geschichte lassen sich etliche solcher Fälle finden, doch was bedeutet es eigentlich, wenn die Börse crasht?

Das kann in etwa so aussehen (hier: S&P 500 Index man beachte z.B. den Zeitraum um 2008 als Reaktion auf die Pleite von Lehman Brothers):

Was hier allerdings auch sehr schön zu sehen ist: Langfristig geht es nach oben. Das ist kein Gesetz und sagt auch nichts über die Zukunft aus, aber es wird einen Grund dafür geben.

Uns soll an dieser Stelle ein weltweiter Absturz der Börsenkurse interessieren, denn gegen alle anderen Fälle sind wir ja stark genug abgesichert solange wir breit genug investiert sind (ETFs oder eine Hand voll Einzelaktien).

Nehmen wir nun an, die Börse verliert 80% ihres Wertes. Das kann schon mal vorkommen.
Grundsätzlich erkennt man einen stattfindenden Crash an den Auswirkungen, nämlich am fallenden Querschnittskurs des Aktienmarktes (also der Bewertung der Unternehmenswerte ALLER Unternehmen der Welt). Wer also in Mathe gut aufgepasst hat, dem ist klar, dass es nun anhand der Zahlen ziemlich vielen Unternehmen echt beschissen gehen müsste.

Wenn die Börsen weltweit um 80% fallen, wird also der Durchschnitt aller Unternehmen nur noch mit 20% des ursprünglichen Betrags bewertet. Das bedeutet, unser kleines Aktiendepot ist nun statt 100.000€ nur noch 20.000€ wert. Es wird unmittelbar einleuchten, dass das ganz und gar unmöglich ist, solange die Firmen und Menschen weiter arbeiten, produzieren und konsumieren.

Nur auf dem Papier...

Die Wahrheit ist: Die Unternehmen haben real gar nicht an Wert verloren. Nehmen wir als Bespiel meinen Lieblings-Haushaltsmarken-Hersteller Procter & Gamble. Windeln und Zahnpasta werden höchst wahrscheinlich nach einem Crash nach wie vor benötigt, es sei denn die Menschen verlieren komplett Ihren Lebenswillen (das ist bisher noch nie passiert). Auch die Maschinen der Produktion verlieren nichts von ihrem Wert. Die Einnahmen sprudeln weiter und sogar Dividenden werden kaum gekürzt - im Fall von P&G sogar stetig erhöht. Und aus diesen Gründen bleibt dann auch meist der Gewinn am Jahresende nicht hinter den Erwartungen zurück. Natürlich gibt es Ausnahmen und somit vereinzelte Unternehmen, die in schlechten Zeiten eher betroffen sind. Dazu möge man sich zum Beispiel vorstellen, dass in starken Kriegszeiten weniger Urlaube gebucht werden als Lebensmittel verzehrt.

Warum aber sind dann die Unternehmen so schlecht bewertet?

Das liegt an der Angst und fehlendem Vertrauen. Die Menschen haben Angst, ein Krieg (2. Weltkrieg) oder eine Epidemie könnte das Ende bedeuten, doch das tut es nicht. Das hat es noch nie in unserer Geschichte. Wenn irgendwann einmal das Ende nahen sollte und die Welt tatsächlich im Chaos versinkt, meinst du es interessiert sich dann noch jemand für dein Aktiendepot? Geld wäre ohnehin wertlos. Die Menschen bekommen Panik und verkaufen ihre Wertpapiere weil sie denken, sie müssen retten, was noch zu retten ist. Eine Abwärtsspirale beginnt, denn durch die vielen Verkäufe sinkt der Kurs der Aktien (Angebot und Nachfrage) weiter und es verkaufen noch mehr Menschen ihren Aktienbesitz und auch automatische Computerprogramme ziehen ab einem bestimmten Wert die Reißleine.

Und was machen wir?

Kaufen und liegen lassen! Während alle panisch ihre Anteile los werden wollen, nehmen wir sie mit Kusshand entgegen. Dazu haben wir idealerweise regelmäßig gespart und stürzen uns nun gern ins vermeintliche Unglück um am Ende als Sieger dazustehen :-)
Beim Tanken machen wir es doch auch nicht anders: Wir versuchen günstig nachzukaufen und nehmen sogar Umwege in Kauf, um einen besseren Preis zu erzielen (Ist es egal, an welcher Börse ich Aktien kaufe?). Selbes Prinzip.

Beispiel: Einzelaktie - Volkswagen

Ich möchte anmerken: Ich besitze keine Volkswagen, was allerdings nicht die jüngsten Negativnachrichten zum Grund hat. Die Aktie soll hier nur als Erklärungs-Hilfsmittel dienen.

Manch einer wird mich für das Folgende hassen, doch Tatsache ist, dass ich damit durchaus nicht allein bin. Menschen sind einfach gestrickt. Glaubst du, es interessiert jemanden beim Autokauf, ob VW irgendwelche Abgaswerte fälscht? Ich denke tendenziell weniger. Viele wissen noch nicht einmal, was genau da passiert ist und es ist ihnen auch egal. Das erinnert etwas an die Vergesslichkeit der Menschen, wenn es um die NSA geht. Ich denke VW hat relativ hohe Kosten zu bewältigen aber die Menschen wollen und kaufen Autos, wenn auch die gesamte Branche hin und wieder mal in einer Krise steckt.

Chart während des Absturzes der VW-Aktie

VW wurde am Tag vor Bekanntwerden der Abgassensation (ich mag das Wort Skandal nicht) mit 166,81€ bewertet. Am 02.10.2015 (also zwei Wochen nach Bekanntwerden) wurde die Aktie des Autobauers noch für ganze 102,69€ gehandelt. Ein Minus von stolzen 38,4%. Das entspricht bei einer Marktkapitalisierung von vorher 52,97 Mrd. € jetzt noch ganzen 32,63 Mrd. €, also ein Verlust von 20,34 Mrd. €. Das Unternehmen verliert Geld (aufgrund von Rückholaktionen, Sammelklagen, etc.), aber keinen Wert, denn es ist nach wie vor in der Lage, gute Autos zu produzieren und zu vertreiben. Ich denke, jedes größere Unternehmen hat seine Probleme und verdient durchaus auch mit fragwürdigen Aktionen Geld. Das war mit Sicherheit noch nicht die letzte solcher Meldungen. Und falls Autos doch nicht mehr gehen: VW hat ja noch seine Currywurst-Sparte und wer mal in Wolfsburg war, weiß, dass die brummt. Soviel dazu: Wäre ich also in Volkswagen investiert, würde ich nicht verkaufen sondern schlafen gehen.

Was möchte ich nun damit sagen?

Mache dir vor JEDER manuellen Bewegung (Käufe/Verkäufe) in deinem Depot reichlich Gedanken. Kaufe nicht wahllos Dinge, die du hinterher nicht mehr haben willst. Kaufe am besten Unternehmen, von denen du selbst überzeugt bist und verkaufe nur dann, wenn du es nicht mehr bist bzw. sich wichtige Daten geändert haben, auf deren Grundlage du die Kaufentscheidung getroffen hattest.

Wenn ein Kurs sinkt, ohne dass sich die Fundamentaldaten des Unternehmens ändern, dann ist ein Kurssturz nicht Ursache, sondern Auswirkung vieler Verkäufe. Die Aktie wird also nicht verkauft, weil sie nichts mehr wert ist, sondern sie ist nichts mehr wert weil sie verkauft wird. Hier geht es allerdings nach wie vor um den Wert den die Masse der Anleger ihr zuschreiben nicht Du.

Natürlich kann auch ich nicht die Kurse von morgen vorhersagen, allerdings mache ich meine Entscheidung für ein Unternehmen nicht vom Kurs abhängig. Vielmehr sollte es stabile Erträge generieren und auch in Krisenzeiten Geld verdienen können. Man muss nicht stundenlang Geschäftsberichte lesen um das beurteilen zu können. Diese Dinge kann jeder Einzelne aufgrund der Historie der Unternehmen und dank des Internets nachprüfen.


Zusammenfassend können wir also festhalten: Die Zukunft kennen wir alle nicht. Deshalb sollte sich die Auswahl von Investments auf Daten der Vergangenheit und der Gegenwart stützen. Kursveränderungen nach dem Kauf haben uns nicht zu interessieren, solange wir nicht verkaufen wollen und das tun wir nur, falls uns das Unternehmen nicht mehr gefällt.

Mich würde deine Meinung dazu interessieren. Falls du Anmerkungen oder Hinweise hast, schreib mir doch bitte in den Kommentaren.

Tom Schäfer

Tom Schäfer

Tom berichtet hier über seine Erfahrungen im Bereich Linux, OpenSource und IT. Er spricht außerdem gern über Finanzthemen und hasst es, in der dritten Person über sich selbst zu schreiben.

Read More